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Wie fliegt sich die B-25 Mitchell

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Wie fliegt sich eine B-25 Mitchell

 

von Michael Weber

 

Ich durfte von 2005-2008 die B-25 Mitchell in der Schweiz fliegen. Wir waren eine Crew von jeweils 4-6 Leuten die diesen Warbird an Airshows and Events vorführten. Um eine B-25 zu fliegen ist es nötig, dass man ein sogenanntes Type Rating macht da dieses Flugzeug über 5.7 Tonnen wiegt. Dafür mussten wir ein eigenes Trainingprogramm schreiben und dem Schweizer Luftamt zur Genehmigung vorlegen. Voraussetzung fum mit dem Type Rating auf der B-25 zu beginnen waren eine Basis Zwei Mot Ausbildung mit high power Erfahrung.

 

Schon der Einstieg in eine B-25 Mitchell ist etwas besonderes. Auf der Unterseite des Rumpfes befinden sich zwei Lucken durch welche man den Bomber besteigt. Da dieses Flugzeug für den Krieg gebaut wurde hat es viele scharfe Metallkanten wo man sich verletzten kann. Deshalb ist es ratsam mit Handschuhen den Flieger zu besteigen. Bevor man die B-25 in die Luft bringt steigt man durch das Cockpit und den Haubenabwurf auf den Flügel. Denn dort oben befindet sich die Klappe die Zugang zum Oeltank gewährt welche die Motoren mit genügen Oel versorgen. Pro Stunde verbrauchte unsere B-25 ca. 6-12 Liter Oel pro Motor. Dies variert so stark weil es davon abhängt ob man einen längeren Reiseflug macht oder Start und Landungen trainiert. Ist genügend Oel nachgefüllt, welches sich als nicht einfach erweist, denn das Oel muss mittels Pumpe auf den Flügel gepumpt werden, kann mit dem Tanken begonnen werden. 5000-6000 Liter Benzinrechnungen waren keine Seltenheit. So eine B-25 ist rund 11 Tonnen schwer und die beiden Wright Cyclone Motoren leisten jeweils 1700 PS. Da diese B-25 keine Scavange Pumpen hatte mussten die Motoren von Hand durchgedreht werden sodass jeder Zylinder einmal geöffnet wurde um allfälliges überschüssiges Oel abzulassen. Das ist notwendig um nicht den Motor durch einen sogenannten hydraulic lock zu blockieren und Schäden zu verursachen. Für das Durchdrehen der Motoren braucht es schon mindestens 3 Personen. 

 

Im Cockpit Platz genommen sitzt links der Kommandant und rechts der Copilot. Hinter dem Cockpit war der upper Gunner welcher den Geschützturm hinter dem Cockpit bediente. Links davon ist der grosse Hydraulik Flüssigkeitstank den es vor dem Start zu prüfen gilt. Ueber den Bombenschacht kann man in den hinteren Teil der B-25 robben wo links und rechts ein weiterer Gefechtsstand ist und ganz hinten am Heck ist ein weiterer Sitz mit Gefechtsstand. Unter dem Cockpit ist ein ganz enger Schacht inwelchem man nach vorn die die verglaste Nase der Mitchell robt. Meiner Ansicht nach der schönste Platz in diesem kleinen Bomber. Bei unserem Flug über den Buckingham Palast sass ich dort vorne und genoss die Aussicht.

 

Wir waren 4 Piloten mit der nötigen Qualifikation für beide Plätze. Für das Training um das Type Rating zu erhalten flogen wir jeweils einen Instructor aus Holland ein der mit uns die B-25 auf Flugplätze wie Ambri und Bouchs ansteuerte wo jeder Pilot 10-12 Toch and Gos ausführten. Ein Landetraining ist für den Kommandanten und Copiloten sehr arbeitsintensiv. Das Steuern am Boden erfolgt nur mit Bremseinsatz, da das Bugrad nicht gesteuert ist. Es braucht eine ganze Weile bis man das Flugzeug am Boden im Griff hat. Nach dem Runup und dem Auflinieren auf der Piste gibt der Pilot Vollgas und lässt die Bremsen los. Der unglaubliche Lärm erfüllt das Cockpit sodass eine Verständigung der Piloten mit Handzeichen erfolgt. Die Steuerkräft sind sehr gering und die B-25 hebt mit geringem Zug am Höhensteuer ab. Der Copilot fährt das Fahrwerk ein, der Hebel dafür ist am Boden angebracht und dann die Klappen schritweise ein. Eine ideale Steiggeschwindigkeit um die Oeltemperatur im grünen Bereich zu halten sind 120-150Mph. Die B-25 fliegt sich sehr wendig und fast wie ein Fighter. Es ist erstaunlich wie leicht die 11 Tonnen durch die Luft pflügen und man wendig um Berggipfel steuern kann.

 

Nach dem Training fuhren wir Piloten nach Salzuburg zu den Flying Bulls die wohl die am weltweit schönste B-25 besitzt. Der Examiner Sigi Angerer nahm uns dann einzeln die Prüfung auf diesem tollen Flugzeug ab. Dabei ist zu sagen, dass die Flying Bulls B-25 sehr sanft zu steuern war. Die Steuerdrücke waren viel feiner als bei unserer und der Schwerpunkt war perfekt, sodass ich diese B-25 fast mit zwei Fingern sehr sanft landen konnte. Dabei viel mir auf, dass der Schwerpunkt bei unserer Maschine viel weiter vorne lag und dadurch die Landung viel schwieriger war.

 

Nach dem erfolgreichen Type Rating flogen wir zahlreiche Airshows in ganz Europa und ich durfte die B-25 Mitchell auch auf kleineren Flugplätzen mit einer Pistenlänge von nur 800m landen. 

Die B-25 fliegt sich sehr wendig doch aufgrund Ihrer Eigenheiten ist es notwendig regellmässig in diesem Bomber zu fliegen damit man in der Uebung bleibt.

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